Wegen diesem Film hockte ich mit 3 fremden Menschen unter einer Wurzel: Heute läuft er im TV

Jeder eingefleischte Herr der Ringe-Fan wird es mir wahrscheinlich nachempfinden können, dass eine Reise nach Neuseeland seit frühen Kindheitstagen ein großer Lebenstraum von mir war. Peter Jackson drehte die gesamte Fantasy-Trilogie auf dem Inselstaat im südlichen Pazifik und ließ die malerischen Landschaften, imposanten Berge und dichten Wälder die magische Welt von J.R.R. Tolkiens Geschichten zum Leben erwecken.
So führte mich der Film Der Herr der Ringe: Die Gefährten, der heute Abend um 20:15 Uhr bei Vox im TV läuft, schließlich etwa 18.000 Kilometer von Deutschland entfernt zu den verschiedensten und abgelegensten Mittelerde-Drehorten. Unter anderem machte ich unter einer besonders berühmten Wurzel Halt.
Die Wiederholung des Herr der Ringe-Auftakts läuft am Sonntag, den 4. Oktober, ab 13:25 Uhr auf Vox. Alternativ könnt ihr den Film bei diesen Anbietern streamen.
Der Herr der Ringe: Die Gefährten führte mich auf Frodos Spuren nach Neuseeland
Während meines Studiums tat sich vor zehn Jahren die Möglichkeit eines Auslandssemesters auf. Ich musste nicht lange überlegen, um zu wissen, in welchem Land ich dieses absolvieren wollte. Ich setzte alle Hebel in Bewegung, um an der Otago University in Dunedin auf der neuseeländischen Südinsel für das Fach Filmwissenschaften angenommen zu werden. Wenig später machte ich mich tatsächlich mit einem Rucksack bepackt (der deutlich schwerer als der von Frodo war) auf den Weg ans andere Ende der Welt.
Natürlich war ich mit gleich mehreren Reiseführern ausgestattet: einem normalen, der die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Neuseeland vorstellt – und einem, der nur die Drehorte von Peter Jacksons Herr der Ringe-Trilogie samt ausführlicher Hintergrundinformationen auflistet (danke an Ian Brodie* an dieser Stelle). Auf meinem Plan stand, neben dem Studium also ganz viel vom Land meiner Träume zu entdecken und dabei so viele Herr der Ringe-Schauplätze zu sehen wie möglich.
Da ich allerdings kein Auto hatte und es manchmal gar nicht so leicht war, die teils abgelegenen Drehorte auf den ländlichen Inseln auf eigene Faust zu erreichen, entschied ich mich häufig dafür, von Locals leidenschaftlich geführte Herr der Ringe-Touren in Anspruch zu nehmen. Diese gibt es dort glücklicherweise zuhauf. So war es schließlich auch in der Hauptstadt Wellington, dem Filmzentrum Neuseelands, in dessen Umland am Mount Victoria Teile der Trilogie gedreht wurden. Dort nahm ich an einer Tour teil, die mich mit einer zusammengewürfelten Nerd-Truppe aus aller Welt in genau den Wald führte, in den es Frodo, Sam, Merry und Pippin in Die Gefährten verschlägt.
Als wäre ein Ringgeist hinter mir her: So hockte ich mit 3 "Hobbits" am Wegesrand
Nachdem die vier Hobbits das Auenland verlassen und sich zufällig in Bauer Maggots Gemüsefeld treffen, purzeln sie den Abhang hinunter in einen Wald hinein. Während Sam, Merry und Pippin sich direkt auf die Pilze am Wegesrand stürzen, überkommt Frodo ein mulmiges Gefühl. Gandalf hatte ihm noch in Beutelsend geraten, sich abseits der Wege zu halten. Und plötzlich drängt Frodo inständig darauf, dass die Hobbits so schnell wie möglich die "Straße" (ich stolpere in der deutschen Synchronfassung jedes Mal über dieses Wort) verlassen.
Unter einem mächtigen Baum, dessen dicke Wurzeln wie ein kleines Dach über den Abhang ragen und denjenigen, die auf dem Weg stehen, die Sicht nach unten versperren, finden die vier Unterschlupf. Natürlich sollte Frodo recht behalten und ein Ringgeist beginnt kurz darauf an just diesem Baum von seinem Pferd zu steigen und äußerst intensiv nach den Hobbits zu schnüffeln. Eine nervenaufreibende Szene, die ich vor meinem inneren Auge abspielen kann, als würde ich den Film vor mir sehen.
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber wenn ich an einem Herr der Ringe-Drehort stehe, muss ich dort einfach nachspielen, was in der jeweiligen Szene im Film passiert. Viele meiner Mitstreiter:innen hatten dieselbe Idee. So liefen wir zunächst den Weg (ja Frodo, es ist ein Weg) ab, den die vier Hobbits im Film entlanglaufen, und huschten ebenso wie sie den Wegesrand hinunter. Dort fanden auch wir Unterschlupf in besagtem Graben, über dem wir uns die riesige Baumwurzel allerdings vorstellen mussten, die Frodo und Co. im Film beschützt. Denn zu unser aller Enttäuschung wurde diese tatsächlich extra für den Film dort hingebaut und später wieder abgesägt.
- Auch interessant: Erste Set-Bilder zum neuen Herr der Ringe-Film The Hunt for Gollum
Ob mit realer oder imaginärer Wurzel: Die Aktion hielt natürlich für gleich mehrere erinnerungswürdige Fotos her. Wenn ich mir diese heute anschaue, muss ich immer wieder schmunzeln – vor allem auch, weil ich die drei anderen "Hobbits" danach nie wieder gesehen habe. Doch für einen Moment erlebten wir unser ganz eigenes Herr der Ringe-Abenteuer, das ihr heute im TV miterleben könnt.
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